Taba - Das Vierländereck und Urlaub
Drei Wochen ists schon her, da brachen mein Mann und ich erneut auf - diesmal nach Taba, dem Grenzort nach Israel auf dem Sinai, um dort einen guten Freund aus Tel Aviv zu treffen.
Unser Plan, die billigere, wenn auch gefährlichere Variante mit dem letzten Mikrobus über Nacht zu fahren, wurde bereits am Busbahnhof in El-Marg durchkreuzt, als der letzte Bus brechend voll vor und ohne uns abfuhr. Einen weiteren sollte es nicht geben (Mikrobusse haben hier keine festen Abfahrzeiten sondern fahren los, wenn sie voll besetzt sind), da es nur wenige Stunden zuvor im Sinai einen schweren Überfall auf Busse gegeben haben soll, bei dem einige der arabischen Insassen getötet wurden und deshalb niemensch nach Taba will.
Wir nahmen dann einen großen Bus und trafen mit nur wenigen Stunden Verspätung in Taba, am türkis-glitzernden Meer am Golf von Aqaba ein, warfen bevor wir ins Meer rannten einen Blick auf die Grenze, an der die ägyptische- die israelische Flagge zu küssen scheint. Wie in den meisten Ehen scheint die Krise allerdings schärfer als die Liebe zu sein, wodurch die israelische Seite mal eben die Scheidung samt Einstweiliger Verfügung einreichte und gerade den nächsten “Schutzwall” errichtet: http://www.haaretz.com/print-edition/features/on-israel-egypt-border-best-defense-is-a-good-fence-1.395239.
Die Landschaft dort ist atemberaubend: in der Sonne am Strand liegend, hat mensch Sicht auf die Berge Israels, Jordaniens, Saudi-Arabiens und Ägyptens.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich wenige Tage später ganz spontan nochmal mit etwa 15 ägyptischen Freund_innen und meiner Freundin über die freien Tage des Opferfestes in den Sinai fahren würde.
Zum Opferfest und davor gleicht ganz Kairo einem Zoo. An so ziemlich jeder Ecke stehen ein paar Schafe, aber auch Ziegen, Kühe mit großen lieben Augen und sogar Kamele. Ein Teil ihrer Verwandten und Artgenossen hängt bereits ausgeblutet am Haken daneben. Da auf den Straßen geschlachtet wird, bleiben vom Zoo am Ende nur noch Blutlachen auf diesen übrig. Ich kann sowas nicht ertragen und flüchtete also für 5 Tage zurück auf den Sinai ans Meer.
30 km südlich von Taba hatten wir so ein kleines - eigentlich großes - Paradies für uns: kleine Stroh-Bambushütten auf dem weißen Strand am türkisblauen Meer mit Korallenriffen. Wahnsinn.
Der Urlaub war auch wirklich einer: Wie für den Sinai typisch wurde uns gleich bei Ankunft ein Kilo Gras auf den Tisch gelegt und da wir vollkommen von der Außenwelt abgeschlossen waren, verbrachten wir unsere Zeit mit rumliegen, schwimmen, schlafen, rumliegen und ab und an was essen (aufgrund der Abgeschiedenheit war es gar nicht einfach so viel essen zu organisieren - v.a. welches, dass vorher keine 4 Beine oder Flossen hatte).
Das Ganze war wirklich eine wohltuende Entspannung vom lauten, stinkenden Kairo - dem Smog, dem Verkehr und der unaufhörlichen Belästigung dort.

Der Mondschein markiert hier genau die Grenze zwischen Jordanien und Saudi-Arabien