Das Land in dem Bier und Schnaps fließen vs. religiöser Fanatismus in Jerusalem
שלום Shalom!
Hundert mal gebaut, hundert mal zerstoert: Jerusalem.
Eine sehr spannende Stadt, die mit dem Bus alle 10 Minuten innerhalb einer Stunde von Tel Aviv aus erreichbar ist. Mein Freund, der in Yad Vashem, der zentralen israelischen Holocaust Gedenk- und Forschungseinrichtung arbeitet, hat mir sehr kompetent und umfangreich Jerusalem gezeigt. Besonders spannend fand ich bisher die Altstadt. Selbstverständlich habe ich viele “must sees” gesehen: Die Klagemauer, die Grabeskirche, die Via Dolorosa, den Ölberg, den Mahane Yehuda Markt….und andere religiöse und alte Dinge, zu denen in den nächsten Tagen noch einige hinzukommen werden.

Blick auf die Klagemauer
Viele religiöse Fanatiker_innen von hunderten verschiedenen Konfessionen sind in der Altstadt Jerusalems zu beobachten, wie sie beten, Kreuze tragen, weinen, sich um Kerzen zanken, Gegenstände auf ein Holzbrett legen, damit sie heilig werden (ganze Plastiksäcke werden dafür angeschleppt) usw usf. Sehr interessant das Ganze; und alle erheben den Wahrheitsanspruch für sich und bekriegen sich mit allen anderen, ob fromme Muslima_e, Christ_innen aller coleur, und Jüd_innen von gemäßigt bis Ultra-orthodox, denen bis auf schlafen und essen (in Maßen!) und Thora usw. lesen ALLES verboten ist bzw. sich selbst verbieten. Von Autofahren und Zeitung lesen bis hin zu Eiscreme essen. Das sind natürlich nur wenige ganz arg Strenge. Üblich ist allerdings der (tägliche) dank an Gott nicht als schmutzige Sünderin (sprich Frau) geboren worden zu sein. Nunja. Gibt lauter solch kleine Anekdötchen… Im Prinzip könnte mensch die Altstadt auch überdachen und eine geschlossene Anstalt draus machen. :-)
Zwischendrin sind überall Souvenierstände mit dem üblichen Touri-staff und Reli-Zeugs.
Zur Mauer -zum 1. mal bin ich froh, dass dieser Blog keine Kommentarfunktion hat ;-) :
So blöde ich Mauern in dieser Form ja prinzipiell finde, so erkenne ich in dieser durchaus ihren Zweck. Seit die Mauer/der Zaun existiert, ist die Selbstmordattentat-Rate um über 98% zurück gegangen. das spricht wohl für sich. Bis dahin mussten 1000de menschen in israelischen Cafés, Restaurants, Bars, Hotels, Diskotheken, Märkten, Schulen, Bussen etc. ihr Leben lassen oder wurden verkrüppelt. Nirgends konnte mensch sich sicher fühlen, sodass viele Menschen während der 2. Intifada teilweise aus Angst ihr Haus kaum noch verließen. diese Angst ist heute weitestgehend geschwunden. Nur noch traurige Reste und Tafeln sind hier noch von Sprengstoff- Selbstmordattentaten an straßenecken, cafés etc. zu sehen. Obwohl auch hier täglich was passiert (Vorgestern wurde ein Palästinenser erschossen, gestern wurde eine Moschee angezündet, vor kurzem eine Schwangere von Soldat_innen erschossen, letzte Woche eine Tüte mit Sprengstoff an einer Bushaltestelle hier in Tel Aviv gefunden…. gehören die erschreckenden Anschläge mit dutzenden Toten und hunderten Verletzten weitestgehend dem letzten Jahrzehnt an. Hoffen wir, dass das so bleibt und mehr natürlich: hier endlich wirklicher Friede in diesem schönen Land herrscht.
Ich selbst fühle mich hier in Israel mindestens genauso sicher wie in Europa. Ich habe außerdem gehört, dass der Mossad jährlich ca. 600 Anschläge vereitelt und an Soldat_innen und Polizist_innen mit schweren Waffen nahezu überall bin ich ja schon aus Ägypten (abgesehen vom _innen) gewöhnt.
Von Tel Aviv (“Frühlingsberg”) habe ich jetzt auch schon viel gesehen. Tel Aviv ist großartig - Das Nachtleben ist ein bisschen wie in Berlin, nur teurer (ein Bier kostet mindestens 5 Euro) und seit zwei Monaten darf mensch nach 23 Uhr keinen Alkohol mehr in den Spätis kaufen und nicht mehr auf der Straße trinken (eigentlich) und queer ists hier und es gibt das Meer mit tollem Strand, an dem ich nach dem Hosen-Konzert mit einem ganz besonderem Freund nachts durch die Wellen gesprungen und geschwommen bin. <3
Tel Aviv wurde ja erst 1909 gegründet und der erste Kiosk von damals steht da heute immernoch. Wegen den vielen Auswander_innen mitte der 30er Jahre aus Deutschland, hat Tel Aviv viel Bauhaus-Architektur.
Was wohl mit den deutschen Auswander_innen begann, setzt sich heute fort: Tel Aviv scheint eine Auffangstation für Flüchtlinge und Auswander_innen aus der ganzen Welt zu sein. 10000de Flüchtlinge aus dem Sudan, aus Eritrea und Äthiopien leben beispielsweise hier und vom Balkan, Russland, Thailand, den Phillippinen… hier trifft sich die Welt.
Die Züge hier sind identisch mit deutschen Regionalexpressen (wurden ja auch von Deutschland nach Israel verschenkt). Schwarzfahren ist etwas schwieriger (Sicherheitskontrollen, Drehkreuze) aber mit etwas Geschick möglich ;-)
Mir gefällts hier gut und meinen Rückflug nach Deutschland habe ich heute nach hinten verschoben. Mein Herz hängt hier gerade fest und ich habe noch so viel hier zu sehen und zu entdecken.
Grüße aus der Partymetropole……bämm! <3