Menschen, Esel und Kamele

Monat

November 2011

3 Einträge

Solidarität mit Aliaa Magda Elmahdy!

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Wegen diesem Foto, das die ägyptische Kunststudentin Aliaa Magda Elmahdy auf ihrem Blog (http://arebelsdiary.blogspot.com/?zx=d5b6efe907786b56) veröffentlichte, wird sie jetzt beleidigt,verfolgt, bedroht und muss um ihre Sicherheit fürchten. 

Aliaa ist, wie sie in ihrem Twitter-Account schreibt, sekulär und liberal. Sie ist Feministin, Vegetarierin, Individualistin, Ägypterin und Atheistin. Mit ihren Fotos, die in Ägypten sogar die Liberalen empören, möchte sie gegen Zensur protestieren und sie möchte ein Zeichen setzen “gegen eine Gesellschaft von Gewalt, Rassismus, Sexismus, sexueller Belästigung und Heuchelei”. Sie sagt ganz deutlich: “Mein Körper gehört mir!” und kämpft damit für sexuelle Selbstbestimmung.

Wer sich in Ägypten so äußert und outet begeht, wie ihr Beispiel nun eindrucksvoll zeigt gesellschaftlichen Suizid. Auf Atheismus oder den “Abfall vom Glauben” steht im Islam die Todesstrafe. Allein beim Wort Feminismus rümpfen die Konservativen die Nase und Vegetarier_in ist mensch allenfalls, weil mensch sich kein Fleisch leisten kann oder dumm ist.

Gegen Aliaa Magda Elmahdy haben sich jetzt sogar Jurist_innen zusammengeschlossen, die eine Klage bei der Staatsanwaltschaft Kairo einreichen wollen. Bei einer Verurteilung wegen “Verletzung der Moral, Beleidigung des Islam und Aufruf zur Unzucht” drohen Aliaa sogar 80 Peitschenhiebe.

Aber es gibt auch Solidaritätsbekundungen. Wie eine israelische Tageszeitung heute berichtete, ließen sich etwa 40 Israelinnen nackt mit dem Slogan: “Show you are not afraid.” für ihre ägyptische “Schwester” ablichten: http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4150344,00.html.

Zeigt eure Solidarität mit Aliaa Magda Elmahdy! Für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung! Gegen das Patriarchat! 

Respect my Fist!


Nov 20, 20111 note
#Aliaa Magda Elmahdy #Solidarität #Sexistische Kackscheiße
Tel Aviv: die kleine Schwester Berlins

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Und weils im Sinai so schön war und in Kairo so stinkt, entschlossen sich meine Freundin und ich uns ganz spontan dazu, statt zurück nach Kairo, zur Grenze zu fahren und von dort nach Tel Aviv zu trampen.

Entgegen unserer Erwartungen ging an der Grenze alles fix und glatt und alles in allem waren wir 6 Stunden später per Anhalter mit Abstecher am Toten Meer in Tel Aviv. Trampen funktioniert, wie ich die Erfahrung ja bereits machte (http://eselsindvegan.tumblr.com/post/1230072850/odyssee-hiking-nach-tel-aviv) sehr gut in Israel. Einfach an eine Haltebucht stellen, Daumen raus und schon halten die ersten Autos.

Israel ist eine wundervolle Abwechslung zu Ägypten und vor allem eines: frei!

Gleich nach der Grenze, hatte ich das Gefühl, wieder zurück in Europa zu sein: keine Belästigung, kein nervendes “psss….pssss”, “beautiful!” oder so. Es sind viele Frauen* auf der Straße, der Verkehr ist geregelt und die Fahrer_innen hupen nicht die ganze Zeit wie die Vollidioten, es gibt super viele Radfahrer_innen und Radausleihstationen, an denen mensch Fahrräder kostenlos ausleihen und an jeder anderen Station wieder abgeben kann, was dazu führt, dass die Luft sauber ist, es gibt Festpreise, was bedeutet, dass mensch nicht jede einzelne Tomate handeln muss und dann noch permanent beschissen wird. Überhaupt drängt sich mir hier schnell der Gedanke auf, dass die Menschen hier einfach zivilisierter sind. Auch gibt es überall Mülleimer und ein Recyclingsystem, wodurch die Straßen um Potenzen sauberer sind als in Ägypten.

Und obwohl ich den Kapitalismus zutiefst verabscheue, bin ich doch, nunja, erfreut über die Produktvielfalt hier: es gibt hier nämlich zum Beispiel nicht nur Vollkornbrot, sondern viele Sorten Vollkornbrot, aus denen ich wählen kann. Ich kann mich in Geschäften frei bewegen ohne gleich von 5 Händler_innen umgeben zu sein, die mir all ihre Produkte entgegenwerfen, sodass ich mich kaum mehr bewegen kann. Ich gehe durch eine Drogerie oder einen Supermarkt und es gibt Tampons - in Ägypten für Frauen* selbstredend verboten. Eine Frau* kann sich doch nicht an ihrem Genital berühren! Und dann noch etwas da rein stecken, was nicht der Penis des Ehemannes ist? Also das ist dann doch nun wirklich zuviel des Guten!

Es fällt auch sofort auf, dass die Menschen sich hier ganz anders bewegen, als in Ägypten: nämlich freier. Männer* haben hier nicht die absolute Herrschaft auf den Straßen, sodass sich Frauen* nicht dem absoluten Diktat der Männer*welt fügen müssen, bzw. die Konsequenzen spüren müssen, wenn sie aus ihren Geschlechterrollen ausbrechen, was schon damit beginnt, wenn Frauen* das Haus verlassen. Ich kann mich hier alleine in eine Kneipe an die Bar setzen und mit meinem männlichen* Sitznachbar ein Gespräch beginnen, ohne von Beginn an belästigt zu werden. Und nachdem ich schließlich das völlig überteuerte Bier für umgerechnet 5€ je halben Liter gezahlt habe, kann ich nachts allein nach Hause torkeln, ohne an den Brüsten oder am Arsch angefasst zu werden. Und selbst wenn das hier auch passieren könnte, ist es nicht strukturell. In Ägypten kann ich mir zu nahezu 100% sicher sein, dass ein Mann* übergriffig wird, wenn ich nachts allein in den Straßen bin. Auch am Strand kann mensch sich frei bewegen, schwimmen, sonnen usw. Außerdem ist Tel Aviv voll mit Straßenkunst: ein Bummel durch die Straßen gleicht hier einem Wandel durch eine Galerie - dazu noch ein Schokoeis: Perfekt! - Fast wie Berlin: Denn sogar Regen gibt es hier in den letzten Tagen (und das nicht zu wenig - allerdings sinkt die Temperatur nicht unter 20 Grad).

Wenn ich Menschen hier erzähle, dass ich in Kairo wohne, sind sie interessiert und fragen nach. Würde ich Menschen in Kairo allerdings erzählen, dass ich in Israel wohne, würde ich Gefahr laufen angegriffen zu werden - noch dazu erkennen die wenigsten überhaupt das Existenzrecht Israels an - im Gegenteil: in der Überzeugung der meisten Ägypter_innen existiert der Staat Israel auch nicht, sondern ist lediglich ein besetztes Gebiet, dessen Bewohner_innen ständig Krieg beginnen (auch Nasser wurde in Überzeugung vieler Ägypter_innen von Israel überfallen).

Etwas merkwürdig ist der Umgang mit dem drohenden Kriegsausbruch mit dem Iran/Libanon. Seit die Warnung da ist, dass der Krieg wohl bald beginnt, stehen auf den Einkaufszetteln Besorgungsdringlichkeiten, wie: Konserven, Gasmasken, haltbare Süßigkeiten, wenn im Angebot, Wasser, Zucker usw. Und als wir bei meinem Freund in Tel Aviv ankamen lag ein Memo auf dem Tisch, mit den Bemerkungen: Bitte Blumen gießen nicht vergessen, Wasser sparen, Müll rausbringen, bei Kriegsausbruch oder Raketenalarm innerhalb von 2 Minuten in den öffentlichen Bunker gegenüber oder ins Treppenhaus (weg vom Fenster!) gehen, bitte 2kg Bananen und Gemüse kaufen und Tür abschließen nicht vergessen!

Der Krieg scheint hier total zum Alltag zu gehören. Normal, ne!?

Megiddo:

Vorgestern bin ich mit dem Bus in den Norden Israels nach Megiddo (als Armageddon aus dem Neuen Testament bekannt: hier war die Endschlacht zwischen gut und böse) gefahren, das die wohl bedeutenste archäologische Stätte des Nahen Ostens ist (seit 2005 auch UNESCO-Weltkulturerbe). Megiddo wurde als Grenzstadt/ Festung 25 mal zerstört und 25 mal wieder aufgebaut. Wodurch

der Tell (“Hügel”) Megiddos aus über 20 deutlich sichtbaren archäologischen Schichten besteht.

Hier waren die Ägypter_innen (ab 3300–3000 v. Chr.) ist in Megiddo ein starker altägyptisch-kultureller Einfluss erkennbar (am Bekanntesten ist wohl die, in den Annalen des Thutmosis III. in Karnak beschriebene Schlacht von Megiddo), die Syrer_innen, Christ_innen und so. Hier gibt es Palastruinen, Stallungen, Tore, Silos und ein ausgeklügeltes Wasserversorgungssystem zu bestaunen, das es den Bewohner_innen erlaubte, mittels eines 70m langen Tunnels an eine Quelle zu gelangen, ohne die schützenden Stadtmauern zu verlassen. Der Tunnel, der noch heute zur Quelle führt ist noch immer begehbar und wirklich beeindruckend.

Lustig war auch eine christliche, afrikanische Pilgergruppe, die im Regen und schließlich in dem Tunnel anfing lauthals irgendwelche biblischen Lieder zu singen. Wo die Leute nicht alles so hinpilgern!

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Ein Heiligtum in Megiddo

Nov 16, 20116 notes
#Archäologie #Belästigung #Frauen* #Freiheit #Israel #Megiddo #Tel Aviv #israelische Grenze #Krieg
Taba - Das Vierländereck und Urlaub

Drei Wochen ists schon her, da brachen mein Mann und ich erneut auf  - diesmal nach Taba, dem Grenzort nach Israel auf dem Sinai, um dort einen guten Freund aus Tel Aviv zu treffen.

Unser Plan, die billigere, wenn auch gefährlichere Variante mit dem letzten Mikrobus über Nacht zu fahren, wurde bereits am Busbahnhof in El-Marg durchkreuzt, als der letzte Bus brechend voll vor und ohne uns abfuhr. Einen weiteren sollte es nicht geben (Mikrobusse haben hier keine festen Abfahrzeiten sondern fahren los, wenn sie voll besetzt sind), da es nur wenige Stunden zuvor im Sinai einen schweren Überfall auf Busse gegeben haben soll, bei dem einige der arabischen Insassen getötet wurden und deshalb niemensch nach Taba will.

Wir nahmen dann einen großen Bus und trafen mit nur wenigen Stunden Verspätung in Taba, am türkis-glitzernden Meer am Golf von Aqaba ein, warfen bevor wir ins Meer rannten einen Blick auf die Grenze, an der die ägyptische- die israelische Flagge zu küssen scheint. Wie in den meisten Ehen scheint die Krise allerdings schärfer als die Liebe zu sein, wodurch die israelische Seite mal eben die Scheidung samt Einstweiliger Verfügung einreichte und gerade den nächsten “Schutzwall” errichtet: http://www.haaretz.com/print-edition/features/on-israel-egypt-border-best-defense-is-a-good-fence-1.395239.

Die Landschaft dort ist atemberaubend: in der Sonne am Strand liegend, hat mensch Sicht auf die Berge Israels, Jordaniens, Saudi-Arabiens und Ägyptens.

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Zu diesem Zeitpunkt wusste ich  noch nicht, dass ich wenige Tage später ganz spontan nochmal mit etwa 15 ägyptischen Freund_innen und meiner Freundin über die freien Tage des Opferfestes in den Sinai fahren würde.

Zum Opferfest und davor gleicht ganz Kairo einem Zoo. An so ziemlich jeder Ecke stehen ein paar Schafe, aber auch Ziegen, Kühe mit großen lieben Augen und sogar Kamele. Ein Teil ihrer Verwandten und Artgenossen hängt bereits ausgeblutet am Haken daneben. Da auf den Straßen geschlachtet wird, bleiben vom Zoo am Ende nur noch Blutlachen auf diesen übrig. Ich kann sowas nicht ertragen und flüchtete also für 5 Tage zurück auf den Sinai ans Meer. 

30 km südlich von Taba hatten wir so ein kleines - eigentlich großes - Paradies für uns: kleine Stroh-Bambushütten auf dem weißen Strand am türkisblauen Meer mit Korallenriffen. Wahnsinn. 

Der Urlaub war auch wirklich einer: Wie für den Sinai typisch wurde uns gleich bei Ankunft ein Kilo Gras auf den Tisch gelegt und da wir vollkommen von der Außenwelt abgeschlossen waren, verbrachten wir unsere Zeit mit rumliegen, schwimmen, schlafen, rumliegen und ab und an was essen (aufgrund der Abgeschiedenheit war es gar nicht einfach so viel essen zu organisieren -  v.a. welches, dass vorher keine 4 Beine oder Flossen hatte). 

Das Ganze war wirklich eine wohltuende Entspannung vom lauten, stinkenden Kairo - dem Smog, dem Verkehr und der unaufhörlichen Belästigung dort.

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Der Mondschein markiert hier genau die Grenze zwischen Jordanien und Saudi-Arabien

Nov 15, 201115 notes
#Sinai #Meer #Urlaub #israelische Grenze #Taba #Tiere

Oktober 2011

3 Einträge

Ein kurzer Abenteuer-Urlaub im Fayyum

Wie typisch für eine Kairanerin, fuhr ich letztes Wochenende mit meinem Mann ins Fayyum, einer Halboase etwa 100km südlich von Kairo, um mal der Großstadt etwas zu entfliehen und damit meine Lunge zu erholen. Dort gibt es (neben dem Nasser Stausee) die einzigen Seen Ägyptens, viele lustige Tiere und Altertümer vor allem aus dem Mittleren Reich. Lohnt sich also in jeder Hinsicht, sich dort mal ne Auszeit zu nehmen.

Wir fuhren gegen Mitternacht los und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich trotz den viel zu hohen Geschwindigkeiten der oft zugekoksten Mikrobusfahrer und den Unfallstatistiken der winzigen Busse im Kopf, in denen sich über ein Dutzend Menschen stapeln, schlafen kann.

Mitten in der Nacht kamen wir in der Oase an und wurden auf der Suche nach einem Hotel prompt von einem “großen Erfinder” aufgegabelt, dessen großartigen Erfindungen aber leider gestohlen wurden. Er wäre gegen einen Kredit aber bereit, seinen Erfindergeist mit uns zu teilen. Zu gern hätte ich seinen Geschichtchen weiter gelauscht, aber leider wurden wir von einer Gruppe Halbstarker, die uns aus irgendwelchen Gründen verprügeln wollten oder so und einem Taxi, das zum Glück just des Momentes hielt um uns zu retten, getrennt.

Mit Mühe und Glück fanden wir noch ein Zimmer, das nicht schon von vielen kleineren und größeren Lebewesen bewohnt und dessen Bettwäsche bestimmt schonmal im letzten halben Jahr gewechselt wurde, um am nächsten Morgen mehr oder minder ausgeschlafen nach Il Lahun aufzubrechen.

Erstaunt stellten wir allerdings fest, dass es 11 Uhr morgens noch viel zu früh war, um einen geöffneten Supermarkt oder überhaupt geöffnete Geschäfte für ein Frühstück zu finden. Die Hauptstadt des Fayyum, insgesamt leben in dieser großen Halboase über 2 Mio Menschen, war um diese Zeit wie ausgestorben. Sehr sympathisch wie ich finde, denn eigentlich bringe ich um diese Uhrzeit meine Energie auch nur dafür auf, mich im Bett von einer Seite zur anderen zu drehen.

Zum Glück fuhren aber die Mikrobusse schon, die uns für 1 Pfund (11 Cent) ins kleine Bäuer_innendorf Il Lahun fuhren. Dort erwartete uns noch ein etwa 3 km langer Spaziergang durchs idyllische Dorf und über Felder, vorbei an lauter freundlichen Menschen, die uns herzlichst willkommen hießen, vorbei an dicken Büffeln, muhenden Kühen, fleißigen, lächelnden Eseln, witzigen Vögeln und über viel Kacke am Boden zur Nekropole des Mittlen Reichs mit der Pyramide Sesostris II.

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Tourist_innen scheint es hier schon seit der Zeit des Propheten Muhammed nicht mehr gegeben zu haben, wodurch wir uns, an den wahrscheinlich schlafenden, wenn nicht bereits skelettierten Polizisten im Tickethäuschen vorbeischleichen konnten.

Das war überhaupt das krasseste in dieser Totenstadt, die direkt am Rande der fruchtbaren Oase in der toten Wüste liegt: Sie war nahezu gepflastert mit menschlichen Knochen, Schädeln und Gebeinen -  allein im Vorbeigehen sahen wir dutzende bis hunderte Skelette. Da die Grabschächte kaum oder gar nicht gesichert sind, muss mensch sehr aufpassen, nicht selbst in ein Grab zu fallen, das dann das eigene wird. Es gibt tatsächlich Berichte über achtlose Tourist_innen, die in Gräber fallen und dort fast skelettiert erst nach zwei Jahren gefunden wurden - neben einer Postkarte, auf denen sie noch ihre letzten Worte hinterließen.

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Als wir ein (von Tieren?) zerrupftes Skelett in einem Leichentuch fanden, äußerte mein Mann die Vermutung, dass dies die Frau eines Bauern sein könnte, der seine ermordete Frau einfach in die Wüste geschleppt habe. Sowas gibt es oft in Ägypten.

Die Pyramide selbst, die ziemlich zerstört ist, ist ungeheuer interessant. ihr Fundament bildet ein gewaltiger, massiver Felsen, worauf ein - noch gut erkennbarer - Kalksteinkern gebaut wurde, der von erstaunlich gut erhaltenen ungebrannten Lehmziegeln ummantelt ist. Ursprünglich gab es noch eine Verkleidung aus Kalksteinblöcken, die allerdings von Grab- und Baumaterial Räuber_innen abgetragen wurde.

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Auf dem Rückweg entdeckten uns dann doch die Polizisten (ACAB), die zwar versuchten ein utopisches Bestechungsgeld von uns zu verlangen, sich dann aber doch mit umgerechnet 40 Cent (10 Euro wollten sie erst) zufrieden gaben.

Der Rückweg nach Medinet Fayyum brachte uns auf eine hervorragende Idee: Obwohl das Fayyum berüchtigterweise von vielen fundamentalen Islamist_innen bewohnt wird, sahen wir Unmengen zertrampelter Bierdosen auf dem Boden liegen.(vielleicht arbeiten die Esel damit flinker?) Meine stille Hoffnung auf güldenen Hopfensaft müsste also auch hier erfüllt werden können. Und Tatsache: Der Besitzer eines Internetcafés erklärte uns unter folgendem Vorwand den Weg zu Bier: Mein Mann sagte, er hätte auf Facebook gelesen, dass in letzter Zeit 12 Läden, die Bier verkauft hätten, von Salafisten (fundamentalen Islamisten) niedergebrannt worden seien. Der Mann* wusste davon nichts. Dann fragte mein Mann, ob sich ein solches Geschäft in der Nähe befände - und tatsächlich: Eine Gasse weiter gabs nen Kiosk, der illegal und versteckt kaltes Bier verkaufte.

   Medinet Madi:

Am nächsten Tag brachen wir 10 Uhr morgens (quasi mitten in der Nacht) auf ins sehr entlegene Medinet Madi im West-Fayyum, wo sich ein Tempel des Mittleren Reichs befindet. Das einzige Problem dabei ist nur: dorthin gibt es wirklich KEINEN öffentlichen Verkehr. Mit Mikrobussen fuhren wir also in das letzte erreichbare Dorf (Abu Gandhir) vor und nahmen nach vielen Gesprächen mit Bäuer_innen und so einigen Verhandlungen schließlich ein Tuk-Tuk (ein karusselartig wackelndes Motorradtaxi) zum Tempel.

Die beiden Menschen am Einlass des neuen Grabungshauses, waren so überrascht über unsere Visitation (auch hier scheinen die letzten Besucher_innen im letzten Jahrtausend vorbeigekommen zu sein), dass sie tatsächlich versuchten, ein nicht unerhebliches Bestechungsgeld von uns zu verlangen. Daraufhin zeigte ich meine Sondergenehmigung der ägyptischen Altertümerverwaltung (ich hasse son autoritär-arrogantes Ausweis-Getue), woraufhin sie uns unverzüglich ohne etwas zu verlangen, dann gewähren ließen. Ya Salam!

Der Tempel lohnte alle Mühe, diesen zu erreichen. Ein langer Dromos in Form einer Löwensphingenallee der ptolemäischen und griechischen Zeit säumt den Weg zum ursprünglichen Heiligtum des Mittleren Reiches (erbaut v.a. unter Amenemhet IV.). Besonders ist dieser, dem krokodilköpfigen Gottes Sobek geweihte Tempel deshalb, weil er der einzige, nahezu vollständig erhaltene Tempel dieser Zeit ist.

Sogar unser Tuk-Tuk Fahrer war ganz begeistert von  den vielen Nischen, Räumen, Inschriften (ganz aufgeregt wollte er alles übersetzt wissen) und Reliefs dieses kleinen, aber wunderschönen Tempels.

Am frühen Abend fuhren wir dann zufrieden und glücklich nach Kairo zurück und sind froh, nicht in dem Bus gesessen zu sein, der wie hunderte in diesem Land einen schweren Überschlagunfall vor uns erlitt. Diesmal gab es dabei, il hamdulillah keine Toten.

Oct 31, 2011
#Fayyum #Ägyptologie #Archäologie #il Lahun #medinet Madi #Tiere
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