Masada am Toten Meer, das so gesund ist...und Yad Vashem
Vorgestern, am 12.10.10 habe ich es tatsächlich geschafft pünktlich halb 8 Uhr morgens den Bus nach Jerusalem zu nehmen, um weiter nach Ein Bokek zu fahren ….vorerst aber mal so zwei allgemeine Dinge:
1. mensch sollte für einen Aufenthalt in Israel entweder genügend (!) Bargeld dabei haben (hier ist alles ungefähr doppelt so teuer als in Deutschland) oder eine Kreditkarte, von der mensch den PIN nicht vergessen sollte - wie ich. Es ist nämlich, wie ich nach tagelangen entnervenden Versuchen feststellen musste, verdammt schwierig hier nen Automaten an einer der 1000den Banken (ja, Israel erfüllt dieses Klischee) zu finden, an dem mensch mit ner EC Karte Geld kaufen kann. Zum Glück konnten mir meine Freunde bisher aushelfen.
2. mensch sollte sich immer auf plötzlich im Weg stehende Menschen gefasst machen. Hier bleiben die Menschen, am Besten nach dem sie einen zur Seite gedrängelt haben, blitzartig überall - vor allem in Eingangsbereichen, Sicherheitsschleusen, anderen schmalen Durchgängen, in Türen (Bussen etc.) und an allen denkbaren unpraktischsten Orten stehen, um mal eben zu rasten, plaudern oder einfach um stehen zu bleiben….ohne ersichtlichen Grund natürlich. Wer hier mit Gelassenheit nicht gerade gesegnet ist, kann da sicher mal zu unorthodoxen Flüchen neigen.
Andererseits kann die israelische Gelassenheit auch durchaus schmerzlich werden, nämlich dann, wenn mensch mit gut 10 bis 15 Minuten Zeitpuffer vor 23 Uhr (ab dann darf mensch seit ca. 2 Monaten in Israel keinen Alkohol mehr kaufen) als Dritte an der Kasse des Supermarktes steht und noch Bier kaufen will … die Kassiererin aber so langsam ist und hier und da noch ein pläuschen hält, bis sie schließlich, wenn mensch endlich bedient wird, einer_m ein “finish” um die Ohren knallt, was bedeutet, dass mensch das kühle frische Bier zurückstellen und nur noch alkoholfreie Lebensmittel kaufen darf. Das ist mir passiert….und ich war so durstig!
nunja….zurück zur Fahrt ans Tote Meer, das der niedrigste Punkt der Erde ist: Die Landschaft ist dort atemberaubend….hohe, steile Berge, schmale Wüstenstreifen, die von kleinen dürren Büschen bewohnt werden- zu beiden Seiten dieser mittlerweile doch etwas kläglich schmal gewordenen Salzpfütze, die objektiv gesehen ja trotzdem noch recht groß ist.
Das Schweben im Toten Meer war dann ein absolutes Highlight….total cool ist das! Ich hab mich da ja vor lachen die erste Zeit kaum eingekriegt, so fetzig ist das…hihi…sitzen, schweben, im wasser stehen - mitten im Meer -mensch bewegt sich 0 und geht 0 unter. Sogar die Zeitung kann mensch lesen, wie im Liegestuhl. Wow. statt Sand hat das Meer hier Salzboden und ein kleines bisschen davon hab ich mit den Füßen hochgeangelt, was gar nicht so leicht ist, weil mensch immer wieder nach oben treibt :-)
Meine Haut war nach guten anderthalb Stunden baden bei Badewannentemperatur und über 40 Grad Außentemperatur babyzart….und mal wieder rot wie ein Hummer. Dann musste ich aber doch aus der Salzlake raus, irgendwann fängts halt an zu brennen (v. a. am Genital).
Schließlich bin ich weiter mit dem Sammeltaxi nach zur Festung Masada, auf die mensch mit der tiefstgelegenen Seilbahn der Welt gelangt, gefahren. Die obere Station an der Ausgrabungsstätet liegt bei 10m unter dem Meeresspiegel….und dabei ist die Festung hoch auf dem Felsen. Sehr beeindruckend!
Masada ist seit 2001 UNESCO-Weltkulturerbe und hat aufgrund des jüdischen Widerstandes gegen die Römer nationalen Symbolcharakter. Bereits Herodes baute ab 37 v. Chr eine bereits hierbefindliche Anlage zur Festung aus. Große Bedeutung bekam Masada als sich eine Gruppe jüdischer Aufständiger (um die 950) auch nach dem Fall Jerusalems im Jahre 70 die Festung nicht aufgaben und schließlich, kurz bevor die Römer 74 die Festung übernahmen kollektiven Selbstmord begangen und 10 Personen ausgelost wurden (archäologisch belegt), die den Rest und zuletzt sich selbst töteten um der Gefangenschaft und Sklaverei zu entgehen und die Römer so nur Leichen und das verbrannte Habe der Jüd_innen vorfanden. Aus diesem Widerstandsmythos bezieht der israelische Staat und vor allem dessen Armee noch heute einen guten Teil ihres Selbstverständnisses.
Von der Ausgrabungsstätte hat mensch einen tollen Blick über die mächtigen Wüstenfelsen, das Tote Meer und dessen Sedimente. Archäologisch gesehen ist das Plateau hoch spannend. Zwei Paläste, Magazine, Headquarter, Wohnungen, eine synagoge, Zysternen, thermen usw. sind teils gut erhalten und die Restaurationsarbeiten erreichen höchstes Niveau.
Zurück in Jerusalem habe ich im katholischen österreichischen (Pilger_innen-) Hospiz in der Altstadt genächtigt um mir die Rückfahrt nach Tel Aviv zu sparen. Mit 11 anderen jungen Frauen teilte ich einen Dorm und genoss des Abends gutes palästinensisches Bier. Das Hospiz ist sehr sauber und das Frühstücksbuffet ist grandios aber so richtig 100%ig wohlfühlen konnte ich mich da nicht. Es war mir schlicht und ergreifend zu religiös aber eine sehr authentische und sehr besondere Erfahrung in Jerusalem war es allemal. Das Haus liegt direkt an der Via Dolorosa, ist luxeriös bis pompös mit lauter Gemälden, Marmor, nem schönen Garten, nem Wahnssinns-Blick vom Dach über die Altstadt, natürlich ner Kapelle und lauter katholischem Zeug, von dem ich nicht allzuviel verstehe….dieser Jebus und so.^^
Geweckt wurde ich schließlich erst 5 Uhr vom Muizzin und dann um 8 von der Andacht, was nicht so schlecht war, weil ich dann nach dem Frühstück recht früh nach Yad Vashem (der zentralen Holocaust Gedenk- und Forschungsstätte) aufbrechen konnte. Ich bin nach wie vor sehr betroffen und überwältigt von alledem und möchte auch nicht wirklich etwas darüber schreiben. Nur soviel: Nie wieder deutschland!
Und: der Generalinspekteur der Bundeswehr (ein Obermotz also) war gestern auch mit hohem Offiziersgefolge und Presse-tammtamm in Yad Vashem. Als ich im letzten Raum des Museums, der Halle der Erinnerung der Namen ankam, wurde ich von einem Bodyguard mit Ohrknopf und Sonnenbrille auf dem Kopf darauf hingewiesen, dass die Halle in den nächsten Minuten geschlossen sei. Wunderbar inszeniert im Blitzlichtgewitter stolzierte dann dieser Hampel heran. nunja.
Spaeter war ich noch am Grab Herzls und den Gräbern israelischer Minister und Präsidenten, u.a. auch an Rabins Grab.
Ansonsten hatte ich die Gelegenheit, ein Gerichtsprotokoll einer 1943 23-jährigen Deutschen zu lesen die völlig kalt schildert, wie sie jüdische Kinder erschossen hat und noch anderes.
Heute bin ich schließlich mit dem Freund meines Freundes nach Haifa gefahren und Ahmadinedschad löst mal wieder Unruhen aus….aber naja. Dazu vielleicht später.
Beste Grüße!