Menschen, Esel und Kamele

Monat

Oktober 2010

9 Einträge

Rückreise ins schaurig-eisige Schland mit fiesem "Terroranschlag"

An meinem letzten Tag in Eretz Israel hat es mich abermals nach Jerusalem verschlagen, um das dortige Israel-Museum zu besichtigen. Das ist so riesig, dass ich an einem Tag nur den archäologischen Teil geschafft habe. Der ist allerdings sehr gut - ein Schnitt durch sämtliche Kulturen der Welt, von denen ich, abgesehen von der ägyptischen Ausstellung den Meso- und südamerikanischen Teil am beeindruckensten fand.

Nach dem Museum wollte ich eigentlich auf den Ölberg, bin allerdings ganz erschöpft im Bus eingeschlafen und schließlich an der Klagemauer aufgewacht. das laute Spielen der israelischen Nationalhymne und unzählig viele Menschen auf dem Platz davor, ließen mich neugierig werden zu schauen, was da wohl los ist. Dort fand gerade eine Soldat_innen Vereidigung statt, die total stolz und groß mit frei-Cola gefeiert wurde. Wenigstens was. -.-

Meinen letzten Abend in Tel Aviv habe ich schließlich trinkend in der, mir ans Herz gewachsenen Beit HaShoeva Bar verbracht, wo ich diesmal zum Glück nicht alle meine Biere selbst zahlen musste.

Mein Flug nach München ging zum Glück erst um 18 Uhr, sodass ich noch ganz gemütlich meine letzten Sonnenstrahlen mit meinem Freund bei einem israelischen Frühstück genießen konnte. Meine Ausreise aus Israel war dann widererwartend völlig unkompliziert. Ich wurde lediglich 2 Minuten lang gefragt, was ich in Ägypten gemacht habe, wen ich in Israel kenne und ob ich meinen Rucksack selbst gepackt habe. Den musste ich (so ziemlich als Einzige in meinem 387 (!) Personen Flugzeug) zu meiner absoluten Freude und Überraschung nichtmal auspacken.

Nunja - trauriges Ende einer wundervollen Reise: mit 37 Grad Temperaturunterschied musste ich also das Flugzeug verlassen. Sehr nett wurde ich allerdings in einem münchener autonomen Zentrum aufgenommen, wo ich Mate und Bier trinken konnte und auch schlafen konnte um am nächsten Tag relativ erholt nach Berlin aufbrechen zu können - 10 Stunden lang mit dem Zug kostenlos auf Wochenendtickets getrampt, wurde ich hier schließlich auch mit Pulli und Luftschlangen empfangen.

Mittlerweile hat auch die Uni wieder angefangen und ich habe noch ein schmerzhaftes Mitbringsel aus Tel Aviv, das mir das Tippen etwas schwer macht: Auf dem Weg zum Flughafen hat mich ein giftiges Insekt gestochen. Die Stichstelle an meinem Finger wurde nach einem Tag schon sehr dick und es bildete sich eine beachtliche Eiterblase. Nachdem sich die Entzündung über meine Hand bis zum Ellenbogen ausgebreitet hat, musste ich schließlich vorgestern von einem Tropenchirurgen operiert werden und hab jetzt ne bandagierte und geschiente Hand - ein Terroranschlag etwas anderer Art (und eigentlich auch nur halb so schlimm).

Mal schauen, wo es mich als Nächstes hinverschlägt - in die Sonne vermutlich. ….vielleicht hat dieser Blog ja noch eine Zukunft. Wir werden sehen.

Alles Liebe aus dem regnerischen und sehr kalten Berlin an meine neuen und alten Freund_innen….hier und an den schöneren Orten dieser wunderbaren Welt. <3

Oct 20, 2010
Masada am Toten Meer, das so gesund ist...und Yad Vashem

Vorgestern, am 12.10.10 habe ich es tatsächlich geschafft pünktlich halb 8 Uhr morgens den Bus nach Jerusalem zu nehmen, um weiter nach Ein Bokek zu fahren ….vorerst aber mal so zwei allgemeine Dinge:

1. mensch sollte für einen Aufenthalt in Israel entweder genügend (!) Bargeld dabei haben (hier ist alles ungefähr doppelt so teuer als in Deutschland) oder eine Kreditkarte, von der mensch den PIN nicht vergessen sollte - wie ich. Es ist nämlich, wie ich nach tagelangen entnervenden Versuchen feststellen musste, verdammt schwierig hier nen Automaten an einer der 1000den Banken (ja, Israel erfüllt dieses Klischee) zu finden, an dem mensch mit ner EC Karte Geld kaufen kann. Zum Glück konnten mir meine Freunde bisher aushelfen.

2. mensch sollte sich immer auf plötzlich im Weg stehende Menschen gefasst machen. Hier bleiben die Menschen, am Besten nach dem sie einen zur Seite gedrängelt haben,  blitzartig überall - vor allem in Eingangsbereichen, Sicherheitsschleusen, anderen schmalen Durchgängen, in Türen (Bussen etc.) und an allen denkbaren unpraktischsten Orten stehen, um mal eben zu rasten, plaudern oder einfach um stehen zu bleiben….ohne ersichtlichen Grund natürlich. Wer hier mit Gelassenheit nicht gerade gesegnet ist, kann da sicher mal zu unorthodoxen Flüchen neigen.

Andererseits kann die israelische Gelassenheit auch durchaus schmerzlich werden, nämlich dann, wenn mensch mit gut 10 bis 15 Minuten Zeitpuffer vor 23 Uhr (ab dann darf mensch seit ca. 2 Monaten in Israel keinen Alkohol mehr kaufen) als Dritte an der Kasse des Supermarktes steht und noch Bier kaufen will … die Kassiererin aber so langsam ist und hier und da noch ein pläuschen hält, bis sie schließlich, wenn mensch endlich bedient wird, einer_m ein “finish” um die Ohren knallt, was bedeutet, dass mensch das kühle frische Bier zurückstellen und nur noch alkoholfreie Lebensmittel kaufen darf. Das ist mir passiert….und ich war so durstig!

nunja….zurück zur Fahrt ans Tote Meer, das der niedrigste Punkt der Erde ist: Die Landschaft ist dort atemberaubend….hohe, steile Berge, schmale Wüstenstreifen, die von kleinen dürren Büschen bewohnt werden- zu beiden Seiten dieser mittlerweile doch etwas kläglich schmal gewordenen Salzpfütze, die objektiv gesehen ja trotzdem noch recht groß ist.

Das Schweben im Toten Meer war dann ein absolutes Highlight….total cool ist das! Ich hab mich da ja vor lachen die erste Zeit kaum eingekriegt, so fetzig ist das…hihi…sitzen, schweben, im wasser stehen - mitten im Meer -mensch bewegt sich 0 und geht 0 unter. Sogar die Zeitung kann mensch lesen, wie im Liegestuhl. Wow. statt Sand hat das Meer hier Salzboden und ein kleines bisschen davon hab ich mit den Füßen hochgeangelt, was gar nicht so leicht ist, weil mensch immer wieder nach oben treibt :-)

Meine Haut war nach guten anderthalb Stunden baden bei Badewannentemperatur und über 40 Grad Außentemperatur babyzart….und mal wieder rot wie ein Hummer. Dann musste ich aber doch aus der Salzlake raus, irgendwann fängts halt an zu brennen (v. a. am Genital).

Schließlich bin ich weiter mit dem Sammeltaxi nach zur Festung Masada, auf die mensch mit der tiefstgelegenen Seilbahn der Welt gelangt, gefahren. Die obere Station an der Ausgrabungsstätet liegt bei 10m unter dem Meeresspiegel….und dabei ist die Festung hoch auf dem Felsen. Sehr beeindruckend!

Masada ist seit 2001 UNESCO-Weltkulturerbe und hat aufgrund des jüdischen Widerstandes gegen die Römer nationalen Symbolcharakter. Bereits Herodes baute ab 37 v. Chr eine bereits hierbefindliche Anlage zur Festung aus. Große Bedeutung bekam Masada als sich eine Gruppe jüdischer Aufständiger (um die 950) auch nach dem Fall Jerusalems im Jahre 70 die Festung nicht aufgaben und schließlich, kurz bevor die Römer 74 die Festung übernahmen kollektiven Selbstmord begangen und 10 Personen ausgelost wurden (archäologisch belegt), die den Rest und zuletzt sich selbst töteten um der Gefangenschaft und Sklaverei zu entgehen und die Römer so nur Leichen und das verbrannte Habe der Jüd_innen vorfanden. Aus diesem Widerstandsmythos bezieht der israelische Staat und vor allem dessen Armee noch heute einen guten Teil ihres Selbstverständnisses.

Von der Ausgrabungsstätte hat mensch einen tollen Blick über die mächtigen Wüstenfelsen, das Tote Meer und dessen Sedimente. Archäologisch gesehen ist das Plateau hoch spannend. Zwei Paläste, Magazine, Headquarter, Wohnungen, eine synagoge, Zysternen, thermen usw. sind teils gut erhalten und die Restaurationsarbeiten erreichen höchstes Niveau.

Zurück in Jerusalem habe ich im katholischen österreichischen (Pilger_innen-) Hospiz in der Altstadt genächtigt um mir die Rückfahrt nach Tel Aviv zu sparen. Mit 11 anderen jungen Frauen teilte ich einen Dorm und genoss des Abends gutes palästinensisches Bier. Das Hospiz ist sehr sauber und das Frühstücksbuffet ist grandios aber so richtig 100%ig wohlfühlen konnte ich mich da nicht. Es war mir schlicht und ergreifend zu religiös aber eine sehr authentische und sehr besondere Erfahrung in Jerusalem war es allemal. Das Haus liegt direkt an der Via Dolorosa, ist luxeriös bis pompös mit lauter Gemälden, Marmor, nem schönen Garten, nem Wahnssinns-Blick vom Dach über die Altstadt, natürlich ner Kapelle und lauter katholischem Zeug, von dem ich nicht allzuviel verstehe….dieser Jebus und so.^^

Geweckt wurde ich schließlich erst 5 Uhr vom Muizzin und dann um 8 von der Andacht, was nicht so schlecht war, weil ich dann nach dem Frühstück recht früh nach Yad Vashem (der zentralen Holocaust Gedenk- und Forschungsstätte) aufbrechen konnte. Ich bin nach wie vor sehr betroffen und überwältigt von alledem und möchte auch nicht wirklich etwas darüber schreiben. Nur soviel: Nie wieder deutschland!

Und: der Generalinspekteur der Bundeswehr (ein Obermotz also) war gestern auch mit hohem Offiziersgefolge und Presse-tammtamm in Yad Vashem. Als ich im letzten Raum des Museums, der Halle der Erinnerung der Namen ankam, wurde ich von einem Bodyguard mit Ohrknopf und Sonnenbrille auf dem Kopf darauf hingewiesen, dass die Halle in den nächsten Minuten geschlossen sei. Wunderbar inszeniert im Blitzlichtgewitter stolzierte dann dieser Hampel heran. nunja.

Spaeter war ich noch am Grab Herzls und den Gräbern israelischer Minister und Präsidenten, u.a. auch an Rabins Grab.

Ansonsten hatte ich die Gelegenheit, ein Gerichtsprotokoll einer 1943 23-jährigen Deutschen zu lesen die völlig kalt schildert, wie sie jüdische Kinder erschossen hat und noch anderes.

Heute  bin ich schließlich mit dem Freund meines Freundes nach Haifa gefahren und Ahmadinedschad löst mal wieder Unruhen aus….aber naja. Dazu vielleicht später.

Beste Grüße!

Oct 13, 2010
Zurueck in der arabischen Welt - Ramallah.

Gestern (10. 10. 10 - watt n Datum!) startete ich von der Central Station in Tel Aviv (dem groessten Busbahnhof der Welt!) ueber Jerusalem nach Palaestina.

Bereits am Damaskus Tor in der jerusalemer Altstadt, wo sich der arabische Busbahnhof befindet verlaesst mensch- zumindest gefuehlt- Israel. Nachdem ich den Checkpoint an der Mauer in diese Richtung natuerlich unkompliziert ueberquert habe, kam ich wenig spaeter in Ramallah, dem Sitz der palaestinensischen Autonomiebehoerde an.

Die Orientierung in Ramallah ist nicht sonderlich schwierig, weil alle 6 Hauptstrassen sternfoermig von einem zentralen Kreisverkehr-Platz verlaufen. Zu sehen gibt es hier, abgesehen vom wohltuend arabischen Strassengewimmel, begleitet vom altbekannten arabischen Verkehr mit dem ueblichen Hupkonzert nicht besonders viel. So schlenerte ich entlang vieler kleiner Geschaefte, aus denen meine geliebte “Habibi-Musik” schallt, vorbei an Laeden, in denen mal wieder am offenen Schaufenster halbe und geviertelte Tierleichen haengen, deren Blut einfach auf die Strasse gespuelt wird, hin zum pompoesen Grab Arafats. In diesem Grab stehen durchgehend zwei Soldaten, die ich erst fuer Atrappen hielt, weil die so starr dastehen. Erst als ich mir die Beiden von ganz nah angesehen habe, sodass ich fast deren eventuellen Mundgeruch riechen konnte, hat einer von denen geblinzelt.

Abschliessend war ich noch einen Kaffee am Hauptplatz, im Stars & Bucks trinken, das, wie der Name vielleicht ahnen laesst, der arabische Abklatsch des amerikanischen Vorbildes ist. Von hier aus hatte ich einen guten Blick auf ein Zelt, das mittig am Hauptplatz aufgebaut wurde, in dem Menschen Unterschriften fuer freiere und demokratischere Wahlen im Westjordanland forderten.

Die “Wiedereinreise” nach Israel dauerte zwar ewig, (zum Glueck hatte ich Sonnenblumenkerne dabei) war aber, wie erwartet fuer mich unkompliziert. Meine arabischen Mitfahrer_innen hatten da erheblich groessere Huerden zu ueberwinden.

Oct 11, 20101 note
Israel vs. Kroatien im Ramat Gan Stadium

Vorgestern (9. 10. 10) hab ich also mal nen neuen Ground besucht und hab mir das Quali Spiel Israel - Kroatien im Ramat Gan Stadion in Tel Aviv angesehen. Das Stadion fasst 40000 Leute und war mit 35000 recht gut besucht.

Nach viel Gedraengel und Geschuppse hab ich fuer 40 Schekel ne ermaessigte Karte bekommen - und ein Israel Trikot gabs noch obendrauf dazu.

Das blau-weisse Stadion hat mir ganz gut gefallen. Fast wie zuhause :-) Gaeste waren ungafaehr 700 bis 1000 da. Sogar ein Herthaner hat sich hierher verirrt.

Gepoebelt und gepfiffen wird hier zu meiner Zufriedenheit auch viel….nur Bier gabs keins. Dafuer Falafel, Cola und Sonnenblumenkerne.

Beeindruckend waren die lauten “Israel mi’rova (?)”-Wechselgesaenge, was soviel wie “Israel- Kaempfe!” heisst. Ansonsten gibts nicht soviel zu erzaehlen, is halt n Laenderspiel. Eigentlich wollte ich ja zum Tel Aviver Derby, aber mein Dispo reicht leider nicht aus, um meinen Rueckflug nochmal ne Woche nach hinten umzubuchen. Die Frauenquote lag auch hier bei so pi mal Daumen 10% und das Highlight des eher maessigen Spiels (abgesehen von den letzten 10 Minuten, in denen Israel nochmal richtig Druck machte, sonst aber den Kroaten deutlich unterlegen war) war ein Flitzer in der 83. Minute, der es mit Israel-Fahne bis auf die gegenueberliegende Spielfeldseite geschafft hat. Solidarische Gruesse auf diesem Wege…

Achja; Israel hat 2:1 verloren.

Oct 11, 2010
Das Leben in vollen Zuegen ohne volle Zuege

Eigentlich waere ich ja heute zurueck geflogen. Bin ich froh, dass ich meinen Flug umgebucht habe! Jetzt hab ich hier noch ein bisschen Zeit, um mir Zeugs anzugucken, das Leben Tel Avivs zu geniessen und mich hier weiter wohl zu fuehlen.

Nachdem ich gestern beim Friseur war, bin ich ins Dizengoff-Center, einem der groessten Shopping-mals der Stadt gegangen. An der Taschen-Piepser-Kontrolle am Eingang hat mich der Sicherheitsmensch gefragt, wo ich herkomme. Ueber “germany” war er sichtlich erfreut …”Do you know Rammstein?” Es folgten knappe 5 Minuten, in denen er alle Rammstein Texte gesungen hat, die er auswendig kannte, waehrend er nebenher Leute, die auch ins Einkaufscenter wollten abpiepste und die Eingangsschlange immer groesser wurde. Beendet hat er seine kleine Performance mit den Worten ” Hitler, Himmler, Auschwitz!”  Oh weh.

Beim israelischen Fruehstuck heute morgen mit meinem Freund am Hafen sass heute eine alte Frau neben uns, die eine Nummer auf den Arm taetowiert hatte. Da wurde mir mal wieder bewusst, wo ich mich hier befinde…

Nach dem Fruehstueck ist heute ein Unwetter hereingebrochen….der erste Regen dieses Jahr, der sich in sintflutarigem 5-minuetigen Regenguss mit Sturm aeusserte, wonach sofort die Sonne wieder schien. Unter 30 Grad wurden es zum Glueck trotzdem aber nicht :-)

Wir waren dann heute noch in einem Viertel mit einer Streetart-Ausstellung (die ist hier wirklich toll!) Auch politische Aufkleber gibt es hier viele. Auffaellig sind besonders die einer veganen Organisation gegen Huehnerzucht.

Jetzt gehe ich wieder in die Beit HaSheva, einer Lesben-Bi Tanzbar. Da war ich gestern schon. Da wird gute alte Popmusik gespielt und die Gesellschaft ist sehr nett. Nur das uebliche Leid: das Bier kostet ueber 5 Euro umgerechnet. Nunja. mensch goennt sich ja sonst nuescht.

Liebe Gruesse an meine lieben Lesenden daheim und im Rest der Welt….schoen, dass ihr mitlest :-)

Oct 8, 2010
Das Land in dem Bier und Schnaps fließen vs. religiöser Fanatismus in Jerusalem

שלום Shalom!

Hundert mal gebaut, hundert mal zerstoert: Jerusalem.

Eine sehr spannende Stadt, die mit dem Bus alle 10 Minuten innerhalb einer Stunde von Tel Aviv aus erreichbar ist. Mein Freund, der in Yad Vashem, der zentralen israelischen Holocaust Gedenk- und Forschungseinrichtung arbeitet, hat mir sehr kompetent und umfangreich Jerusalem gezeigt. Besonders spannend fand ich bisher die Altstadt. Selbstverständlich habe ich viele “must sees” gesehen: Die Klagemauer, die Grabeskirche, die Via Dolorosa, den Ölberg, den Mahane Yehuda Markt….und andere religiöse und alte Dinge, zu denen in den nächsten Tagen noch einige hinzukommen werden.

image

Blick auf die Klagemauer

Viele religiöse Fanatiker_innen von hunderten verschiedenen Konfessionen sind in der Altstadt Jerusalems zu beobachten, wie sie beten, Kreuze tragen, weinen, sich um Kerzen zanken, Gegenstände auf ein Holzbrett legen, damit sie heilig werden (ganze Plastiksäcke werden dafür angeschleppt) usw usf. Sehr interessant das Ganze; und alle erheben den Wahrheitsanspruch für sich und bekriegen sich mit allen anderen, ob fromme Muslima_e, Christ_innen aller coleur, und Jüd_innen von gemäßigt bis Ultra-orthodox, denen bis auf schlafen und essen (in Maßen!) und Thora usw. lesen ALLES verboten ist bzw. sich selbst verbieten. Von Autofahren und Zeitung lesen bis hin zu Eiscreme essen. Das sind natürlich nur wenige ganz arg Strenge. Üblich ist allerdings der (tägliche) dank an Gott nicht als schmutzige Sünderin (sprich Frau) geboren worden zu sein. Nunja. Gibt lauter solch kleine Anekdötchen… Im Prinzip könnte mensch die Altstadt auch überdachen und eine geschlossene Anstalt draus machen. :-)

Zwischendrin sind überall Souvenierstände mit dem üblichen Touri-staff und Reli-Zeugs.

Zur Mauer -zum 1. mal bin ich froh, dass dieser Blog keine Kommentarfunktion hat ;-) :

So blöde ich Mauern in dieser Form ja prinzipiell finde, so erkenne ich in dieser durchaus ihren Zweck. Seit die Mauer/der Zaun existiert, ist die Selbstmordattentat-Rate um über 98% zurück gegangen. das spricht wohl für sich. Bis dahin mussten 1000de menschen in israelischen Cafés, Restaurants, Bars, Hotels, Diskotheken, Märkten, Schulen, Bussen etc. ihr Leben lassen oder wurden verkrüppelt. Nirgends konnte mensch sich sicher fühlen, sodass viele Menschen während der 2. Intifada teilweise aus Angst ihr Haus kaum noch verließen. diese Angst ist heute weitestgehend geschwunden. Nur noch traurige Reste und Tafeln sind hier noch von Sprengstoff- Selbstmordattentaten an straßenecken, cafés etc. zu sehen. Obwohl auch hier täglich was passiert (Vorgestern wurde ein Palästinenser erschossen, gestern wurde eine Moschee angezündet, vor kurzem eine Schwangere von Soldat_innen erschossen, letzte Woche eine Tüte mit Sprengstoff an einer Bushaltestelle hier in Tel Aviv gefunden…. gehören die erschreckenden Anschläge mit dutzenden Toten und hunderten Verletzten weitestgehend dem letzten Jahrzehnt an. Hoffen wir, dass das so bleibt und mehr natürlich: hier endlich wirklicher Friede in diesem schönen Land herrscht.

Ich selbst fühle mich hier in Israel mindestens genauso sicher wie in Europa. Ich habe außerdem gehört, dass der Mossad jährlich ca. 600 Anschläge vereitelt und an Soldat_innen und Polizist_innen mit schweren Waffen nahezu überall bin ich ja schon aus Ägypten (abgesehen vom _innen) gewöhnt.

Von Tel Aviv (“Frühlingsberg”) habe ich jetzt auch schon viel gesehen. Tel Aviv ist großartig - Das Nachtleben ist ein bisschen wie in Berlin, nur teurer (ein Bier kostet mindestens 5 Euro) und seit zwei Monaten darf mensch nach 23 Uhr keinen Alkohol mehr in den Spätis kaufen und nicht mehr auf der Straße trinken (eigentlich) und queer ists hier und es gibt das Meer mit tollem Strand, an dem ich nach dem Hosen-Konzert mit einem ganz besonderem Freund nachts durch die Wellen gesprungen und geschwommen bin. <3

Tel Aviv wurde ja erst 1909 gegründet und der erste Kiosk von damals steht da heute immernoch. Wegen den vielen Auswander_innen mitte der 30er Jahre aus Deutschland, hat Tel Aviv viel Bauhaus-Architektur.

Was wohl mit den deutschen Auswander_innen begann, setzt sich heute fort: Tel Aviv scheint eine Auffangstation für Flüchtlinge und Auswander_innen aus der ganzen Welt zu sein. 10000de Flüchtlinge aus dem Sudan, aus Eritrea und Äthiopien leben beispielsweise hier und vom Balkan, Russland, Thailand, den Phillippinen… hier trifft sich die Welt.

Die Züge hier sind identisch mit deutschen Regionalexpressen (wurden ja auch von Deutschland nach Israel verschenkt). Schwarzfahren ist etwas schwieriger (Sicherheitskontrollen, Drehkreuze) aber mit etwas Geschick möglich ;-)

Mir gefällts hier gut und meinen Rückflug nach Deutschland habe ich heute nach hinten verschoben. Mein Herz hängt hier gerade fest und ich habe noch so viel hier zu sehen und zu entdecken.

Grüße aus der Partymetropole……bämm! <3

Oct 5, 20102 notes
Oct 5, 20102 notes
Die Toten Hosen in Tel Aviv (3.10.2010). yeah. → 3sat.de

Ein Spitzenkonzert, mit supertoller Atmosphäre vor ca. 500 Leuten.

Der Wahnsinn!

Oct 5, 20101 note
Odyssee-hiking nach Tel Aviv

Meine vorletzten Tag habe ich in Luxor mit Uebersetzen und lesen verbracht und war abends in nem Biergarten. Der letzte Tag, war dann gemaess meiner Reiseplanung ziemlich durchgeknallt… eigentlich wollte ich gestern erst los, um noch auf meine Freundin mit ihrem kleinen Baby zu warten…. merkte dann aber, dass ich dann wohl moeglicherweise nicht rechtzeitig zum Toten Hosen Konzert in Tel Aviv sein koennte. Hals ueber Kopf bin ich dann abends um 11 mit einer Amerikanerin, die im Boomerang war und auch alleine gereist ist, mit dem 1. Klasse Zug, den ich zum einheimischen Preis von 90 Pfund bekommen habe (ich hab ein paar aegyptische Kinder umhergescheucht^^, mir ein Ticket zu kaufen, um nicht die ueblichen 165 Pfund zu zahlen) aufgebrochen nach Kairo, um a) meine Freundin dort noch abzupassen und b) um wieder ueber nacht mit dem Bus ueber den sinai nach Taba zu fahren. Leider hab ich meine Freundin dann doch verpasst. schade, aber dann halt im Februar.

In Kairo angekommen war ich ziemlich kaputt, hab meinen Rucksack in mein uebliches Hostel gebracht, waehrend meine huebsche amerikanische Reisebegleitung versucht hat, den Morgen-bus zu bekommen. Den hat sie allerdings verpasst und sass dann im Nachtbus ueberraschenderweise wieder neben mir (sie war auch auf dem Weg nach Israel). 

Bevor mein Bus fuhr, hat mich mein neuer Journalisten-Freund aus Kairo noch zum Essen und Tee eingeladen. Das war ein sehr schoener letzter Abend in Aegypten mit viel Lacherei und tollen Gespraechen.

Die Fahrt ueber den Sinai war trotz Dunkelheit unbeschreiblich… Felsen ueber Felsen, wie ich sie nie zuvor gesehen habe. Die Landschaft war der Wahnsinn, hier sollte ich unbedingt mal mehr Zeit verbringen. Die Sonne ging dann schliesslich an der aegyptischen Grenze ueber dem Meer auf…. auch schoen. ;-)

… und KAMELE standen hier auch rum und haben, wie es bei Kamelen haltr ausschaut gelaechelt <3

Obwohl ich an der Grenze jemensch getroffen habe, der mich im Auto mit nach Tel Aviv genommen haette, musste ich ab Eilat dann doch trampen (heute ist in Israel Shabbat…. da fahren die Busse von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nicht), weil die israelischen Behoerdinnen es vorzogen, mich eine knappe Stunde lang zu verhoeren, was ich denn bei meinen Aegyptenaufenthalten gemacht habe, was ich in Israel will, wen ich da kenne und wie lange und woher….und warum ich Aegyptologie in Deutschland studiere und warum ich das ueberhaupt studiere, was da gelehrt wird und warum ich dann nicht gut arabisch kann usw usf…. eine Stunde lang.

Meine Mitfahrgelegenheit war weg, ich hatte Hunger, der Taxifahrer nach Eilat hat mich beschissen und ich war angepisst. Nach ner halben Stunde wurde ich dann zu nem besseren Trampplatz in Eilat an der Road nach Beer Sheva/ Tel Aviv gefahren, wo ich recht schnell mit ausgestrecktem Daumen und schwarzen Augenringen bis kurz vor Tel Aviv mitgenommem wurde. Auch von da kam ich recht gut weiter und wurde von einem aelteren Mann, der sich gefreut hat eine Deutsche mitzunehmen, direkt vor der Haustuere meiner beiden Freunde abgesetzt. Die wohnen quasi im Kreuzberg Tel Avivs (Sueden) …hier is ne menge los. 

Angekommen, geduscht und gegessen bin ich dann zum Strand, hab da ein Bier getrunken und im Sand ausgeruht, bis die Sonne wieder untergegangen ist. Das war so wunderbar, diese andere Freiheit zu geniessen…. Menschen in Badesachen!

Ich muss mich erstmal dran gewoehnen, dass sich hier wieder an Verkehrsgesetze gehalten wird, alles teuer ist und sowieso sehr westlich…. und die Frauen hier sind so besonders huebsch und viele zeigen sich gegenseitig ganz offen ihre Liebe, kuessen sich in der Oeffentlichkeit. Das ist wohl eine Sache, die ich in Aegypten vermisse. Dort gilt irgendwie nur, moeglichst alles zu verstecken. Auch nicht das Wahre.

An meinem gefuehlten Analphabetismus ändert sich hier ja erstmal nix…. ob nun hebräisch oder arabisch…

Heute Abend werde ich eine spezifische Bar aufsuchen um dort n Bierchen zu trinken und mein Freund, den ich hier besuche kommt gleich mit dem Flieger aus Riga an :-)

Freudige Grüße aus ner wahnsinnig coolen Stadt!

Oct 2, 20102 notes
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